Yoga

Was ist Yoga?

Da es hier schließlich um Yoga gehen soll, dachte ich es ist ein guter Anfang mit dieser grundlegenden Frage zu beginnen. Aber leichter gesagt als getan. Wie erklärt man Yoga? Wo soll man anfangen und wo aufhören? Ich habe mich also an meinen Rechner gesetzt und erst einmal Wikipedia aufgerufen.

„Yoga […] ist eine aus Indien stammende philosophische Lehre, die eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen bzw. Praktiken, wie Yama, Niyama, Asanas, Pranayama, Pratyahara […] umfasst.“ (Wikipedia)

Also gut, dass Yoga aus Indien kommt, hat wahrscheinlich jeder schon mal gehört und dass es irgendwas mit geistiger und körperlicher Übung zu tun hat, erscheint nachvollziehbar, aber dann fängt es schon mit den seltsam klingenden Begriffen an. Was ist Yama, Niyama oder Pratyahara? Natürlich gibt es auch dazu einen Wikipedia Artikel. Ich klicke auf „Yama“ und werde auf den dazugehörigen Artikel weitergeleitet, in dem man wiederum auf weitere fremd klingende Begriffe trifft. So klicke ich mich durch mehrere Artikel und drifte immer weiter von der Beantwortung der eigentlichen Frage ab. Also wieder zurück zum Anfang.

In dem Buch „Licht auf Yoga“ heißt es:

„Wie ein gutgeschliffener Diamant viele Facetten hat, von denen jede eine andere Lichtfarbe widerspiegelt, so trifft dies auch für das Wort Yoga zu.“

Ich finde dieser Vergleich beschreibt es ganz gut. Yoga ist vielfältig und das macht ihn so besonders aber gleichzeitig auch schwierig zu erfassen. Da Yoga schon seit mehreren tausend Jahren existiert, hat er sich über die Zeit entwickelt und verändert, verschiedene Lehren, Ansätze und Praxen haben sich verbreitet. Viele denken bei Yoga vielleicht erst einmal an alte indische Gurus, die Lebensweisheiten von sich geben. Aber was Yoga für den einen bedeutet, muss nicht gleich Yoga für den Anderen sein. Vor allem hier im Westen ist die ehemalige hinduistische bzw. buddhistische Spiritualität mehr und mehr verschwunden und die körperliche Übung (die Asanas) steht bei einigen im Vordergrund. Ursprünglich hatte die körperliche Übung im Yoga die Aufgabe den Körper von Schmerzen zu befreien, um ungestört in der Meditation verharren zu können. Heute kann die körperliche Praxis auch ganz für sich stehen. Deshalb wird der Begriff „Yoga“ inzwischen häufig auch als reine Bezeichnung für die Asana Praxis, also die körperliche Praxis der Yoga Haltungen verwendet.

Neben körperlicher Kraft und Balance ist im zeitgenössischen Yoga für viele auch der geistige Frieden ein Anliegen. Wenn man den Körper beherrscht, können Geist und Seele frei werden, heißt es. Oder nach Yogi Sara Sangraha:

„Seele und Geist werden ruhig und ausgeglichen durch die Beherrschung des Körpers und der Gefühle“

Besonders in einer Zeit in der vieles hektisch, schnell und gleichzeitig passiert suchen viele im Yoga einen Weg, um Ruhe zu finden, den Kopf freizubekommen und sich mehr Zeit für sich selbst zu nehmen. Ziel ist die Harmonie und Einheit von Körper und Geist.

Aber was ist denn nun mit Yama, Niyama usw. wie es im Wikipedia Artikel steht? Viele Yogis beziehen sich in ihrer alltäglichen Praxis auf Patanjali, einen indischen Gelehrten, den Verfasser des berühmten Yogaleitfadens, der Yogasutra. Er beschreibt einen „achtgliedrigen Weg“ des Yoga bestehend aus:

1. Yamas: der rücksichtsvolle Umgang mit seiner äußeren Umwelt

2. Niyamas: der Umgang mit sich selbst

3. Asanas: der Umgang mit dem Körper

4. Pranayama: der Umgang mit dem Atem

5. Pratyahara: der Umgang mit den Sinnen

6.-8. Samyama: der Umgang mit dem Geist

    6. Dharana: Konzentration

    7. Dhyana: Meditation

    8. Samadhi: das Höchste: der Zustand innerer Freiheit

Davon haben sich besonders drei Glieder bei uns etabliert: Asanas (Umgang mit Körper), Pranayama (Umgang mit Atem) und Dhyana (Meditation). Aber ob und wie man welches Glied in sein Leben integriert ist jedem selbst überlassen.

Man muss nicht religiös sein (Yoga ist keine Religion!) oder sich verbiegen können um Yoga praktizieren zu können. Es geht darum präsent zu sein, respektvoll mit sich, seiner Umgebung und den Mitmenschen umzugehen. Es geht darum Yoga zu seinem eigen zu machen und das in seinen Alltag zu integrieren, was einem gut tut. Das kann bei jedem verschieden sein und kann sich auch mit der Zeit ändern. Das wichtige ist sich auszuprobieren und einfach anzufangen. Die Frage müsste also eigentlich lauten: Was ist Yoga für mich? Denn die Antwort ist wahrscheinlich für jeden verschieden.